Beton zählt zu den meistverwendeten Baustoffen weltweit und verursacht rund neun Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Beim gemeinsamen Symposium „Nachhaltig Bauen mit Beton?“ von iC und dem Architekturzentrum Wien wurde diskutiert, wie Beton künftig umweltverträglicher eingesetzt und welche Forschungs- und Praxisansätze dafür bereits erprobt werden können.
Forschung und Praxis im Dialog
Im Rahmen einer Doppel-Conference präsentierten Stefan Krispel (smart minerals) und Helmut Zehentner (iC) neue Forschungsergebnisse zu emissionsarmen Betonmischungen und deren Übertragung in die Praxis. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Materialeffizienz, Recyclingfähigkeit und CO₂-Reduktion kombinieren lassen, ohne die technische Leistungsfähigkeit einzuschränken.
Gebaute Experimente
Die Vorträge von Martina Bauer (Barkow Leibinger Architekten, Berlin) und Martina Maier (Snøhetta Studio Innsbruck) zeigten konkrete Umsetzungen nachhaltiger Bauweisen und machten deutlich, wie breit das Spektrum innovativer Ansätze inzwischen ist. Während Bauer über den Einsatz von Infraleichtbeton und dessen Potenziale für energieeffiziente Hochhausprojekte sprach, stellte Maier Transformationsprojekte wie das Oxy-Gebäude in Brüssel vor, bei denen bestehende Strukturen erhalten, weitergenutzt und funktional weiterentwickelt werden. Beide Beiträge zeigten, dass nachhaltiges Bauen häufig dort beginnt, wo vorhandene Ressourcen intelligent genutzt werden.
Diskussion über Perspektiven
In der abschließenden Podiumsdiskussion mit Vertreter:innen aus Architektur, Forschung und Planung wurden Potenziale und Widersprüche des Baustoffs Beton offen diskutiert. Dabei wurde deutlich, dass nachhaltiges Bauen nicht allein durch Materialinnovation entsteht, sondern durch das Zusammenspiel verschiedener Disziplinen, transparente Entscheidungsprozesse und die konsequente Anwendung neuer Erkenntnisse in der Planungspraxis. Einigkeit bestand darin, dass der bewusste, kontextbezogene Einsatz von Beton eine zentrale Rolle spielt.
Fazit
Das Symposium machte deutlich, dass Beton auch in Zukunft ein zentraler Baustoff bleiben wird – allerdings mit neuen Anforderungen an Ressourcenschonung, Wiederverwendung und Lebenszyklusdenken. Die Diskussionen zeigten, dass Fortschritt vor allem dort entsteht, wo Forschung, Planung und Baupraxis gemeinsam neue Wege erproben und bereit sind, etablierte Routinen kritisch zu hinterfragen. Die Beiträge machten zudem sichtbar, dass nachhaltiges Bauen weniger auf den vollständigen Verzicht einzelner Materialien zielt, sondern auf deren verantwortungsvollen Einsatz im jeweiligen Kontext.
Weiterführende Berichterstattung:
Report: https://report.at/bau/symposium-nachhaltig-mit-beton
Immofokus: https://immofokus.at/a/nachhaltig-mit-beton
Building Times: https://buildingtimes.at/allgemein/nachhaltig-mit-beton/